Für die Prüfungsvorbereitung für Technology-Enhanced-Learning dachte ich, es wäre nicht schlecht einfach mal Gedanken und Verbindungen zu HTW zu finden und generell meine Gedanken zu notieren. Wer weiß, vielleicht finde ich was interessanten.
1) Intro
Gar nicht so einfach, HTW in “Forms of Qualification” einzuordnen. HTW wird definitiv im Unterricht eingesetzt und wir damit wahrscheinlich Teil einer formalen Qualifikation. HTW ist auch wahrscheinlich eine informelle Qualification, wobei vielleicht auch non-formal, wenn ich z.B. eine Urkunde ausstellen würde.
Kommunikation findet auf HTW statt, Discord ist im Graubereich zwischen synchron (live chat passiert immer wieder) und asynchron: man ann auch später antworten. Die Highscore hat synchrone Elemente, obwohl das nur grenzwertig eine Art von Kommunikation ist. HTW ist definitiv online, 100%. Wenn die Seite down ist, kann niemand mehr was machen. Die Supervision ist eigentlich schon individuell, jede SchülerIn kann den Weg so gehen, wie sie will. Allerdings bieten die Aufgaben ja direktes Feedback, Discord existiert, also bisschen trainer-supported. HTW ist definitiv interaktiv.
HTW ist evtl. eine Form von Distance Learning, es ist zumindest dafür einsetzbar, kein Computer-based Training, vielleicht Web-based Training, vielleicht minimal eine Form von Simulation, aber auch weniger, kein VR, es wird kein Klassenzimmer oder so aufgesetzt, leider auch kein Collaborative Learning - außer vor Ort im Klassenzimmer, da findet sich das schon öfters und macht sicher auch mehr Spaß. Es unterstützt Mobile Learning durch den ausgebauten Touch-Support. Es hat einen Charakter von Game-based Learning, im engeren Sinne ist es kein Blended Learning.
HTW ist Battery-Included, d.h Research und Production übernehme ich, ebenso Distribution. Communication und Collaboration kann im Klassenzimmer stattfinden. Administration und Course Management habe ich ausgelassen, und Assessment, Feedback und Evaluation übernimmt auch die Plattform automatisch. HTW ist definitiv ein Learning System.
HTW ist eine Verbindung aus Technology, Didaktik, Fachinhalte, aber auch Kunst, Kultur. Das Ziel von HTW ist der Einstieg in die Welt des Hackings, aufgebaut über eine Reihe von technischen Knobelrätseln. Die Navigation findet hauptsächlich über eine Karte statt, die sich mit dem Fortschritt immer weiter freischaltet. Zielgruppe sind Menschen ohne Vorwissen ab der 7. Klasse und Motivationstheorien/Selbstbestimmungstheorie bestimmen die Gestaltung am meisten. Die Verwaltung ist autonom, jede SchülerIn kann ihren eigenen Account erstellen, ändern und löschen. Es wurde Wert auf eine ansprechende Gestaltung gelegt, sofern ich das anbieten kann. Technische Umsetzung ist bewusst minimal, open source, leichtgewichtig. Meine Arbeitszeit wäre der größte Kostenfaktor und verteilt sich auf technische Entwicklung, Inhaltserstellung und Pflege. Qualitätskriterien sind Spaß, Motivation, Begeisterung, bzw. genau: Interaktivit wo verfügbar, Individualität durch eigene Reihenfolge der Aufgaben und z.B. Theme. Modular vielleicht im Sinne, dass die Aufgaben meist alle unabhängig sind, aber ansonsten ist es eine ziemlich integrierte Erfahrung. Medien werden versucht, einzusetzen (z.B. visuelle Hilfen). Lernziele sind vereinzelt dargestellt, allerdings nicht systematisch, weil auch ein gewisser Überraschungseffekt erwünscht ist. Zugänglichkeit ist sehr wichtig und wird auch immer wieder überprüft.
HTW zielt auf Inklusion ab, z.B. Sprache, Gender, Browser. Nicht krass viel, aber zumindest probiere ich Dinge. Polykrisen behandle ich weniger, dafür ziehe ich mich zu sehr zurück. Kreativität wird gefördert. VR ignoriere ich komplett. Zugang ist offen und kostenlos. AI ist in HTW integriert, mit jetzt 2 Aufgaben, aber auch einem besseren Bewusstsein dafür, wie der Schwierigkeitsgrad sich durch AI verändert.
2) Learning Theories
HTW ist aktives Involvement. Ob HTW Verhalten ändert, weiß ich nicht, dadurch, dass der “Stoff” eher im Hintergrund ist, passiert wenig Reinforcement. Ähnlich passiert wenig auf Stimulus-Response-Ebene. Auf HTW dreht sich vieles um das Sammeln und Verarbeiten von Informationen. Und für die meisten Leute bietet es auch ein Leben lang an Inhalten. Ich weiß nicht, ob HTW eine soziale Gemeinschaft ist, vielleicht bisschen, weil es online und verbunden ist, aber nicht wirklich. Warum gibt es denn nur zwei Formen von Lernen? Naja, Klassenzimmer ist auch eine Möglichkeit, wobei Lehrkräfte, die HTW nutzen, ja jetzt nicht so viel Arbeit damit haben.
HTW hat keinen wirklichen Stimulus, die Aufgaben sind deutlich komplexer und man kann nirgends sich einfach durchklicken. Klassische Konditionierung findet nicht statt, kann ich mir nicht vorstellen. Man könnte die Antwort-Feedback als Belohnung oder Bestrafung sehen, da stimme ich zu. Und Verhalten, dass zu einer höheren Lösungsrate führt, wird belohnt, ja da stimme ich auch zu. Auch wenn HTW eigentlich das Gegenteil von Programmed Instruction sein möchte, baue ich teilweise doch recht sequenzielle Sachen ein, weil sie einfach einfacher sind.
Aus kognitivistischer Sicht bieten die Aufgaben mentales Futter, dass dann in einem Prozess verarbeitet wird, bis durch das Lösen der Aufgabe der Prozess erfolgreich abgeschlossen wird - oder aufgegeben wird. Die Aufgaben sind quasi Mini-Lektionen, die alle ihre Informationen selbst mitbringen müssen. Dafür habe ich ja immer wieder interaktive Gadgets, ein rudimentäres Hinweissystem, Hilfestellungen, Verlinkungen. Aber auch nicht immer und überall, eher da wo es sich anbieten. Aber doch, einiges in der Richtung habe ich schon.
Nach dem Konstruktivismus sind SchülerInnen aktiv am Lernen um im Klassenzimmer wäre auch ein sozialer Kontext verfügbar. Fördere ich kritisches Denken? Die Aufgaben sind ja nicht stumpf, man muss immer wieder mal um die Ecke denken. Weiß nicht, ob das Lernen so krass individuell ist, also ja, beim Lösen der Aufgabe schon, aber die individuellen Lernwege sind im Vergleich ja auch wieder ähnlich .. naja, die Erfahrung ist schon individuell. Die Lehrkraft kann echt wenig machen, weil sie die Plattform nicht verändern kann. Sie muss darauf vertrauen, dass ich genug Material vorbereitet habe.
Viel Gruppenarbeit habe ich nicht, experimentieren dagegen kann man schon an einigen Stellen, Problemlösen ist zentral, auch das logische Denken. Die Sichtweise der SchülerInnen frage ich bisschen ab und sie fließen in die Statistik ein, also ich würde sagen so halb. Lehrkräfte müssen eigentlich nur Zuschauen und begleiten, das ist war, an sich stören sie sogar fast - zumindest habe ich so bisschen das Gefühl, wenn ich Leuten über die Schulter schaue. Selbstregulation ist großes Thema und ich weiß gar nicht, was für ein Wissen entsteht und was sie lernen - viel davon ist über den Kontext kodiert.
Ich nutze keine virtuellen Klassenzimmer, oder Wikis, oder Etherpads, oder blogs, oder Mindmaps oder Dateien oder CSCL Tools, haha. Einfach nur viele gute Aufgaben. Lehrkräfte können natürlich im Klassenzimmer ergänzen. Aber warte, der Discord-Server ist eigentlich vielen davon.
Konnektivismus klingt sinnvoll, ich brauche einen Moment es einzuordnen. Die Graph-Metapher ist sehr allgemein und abstrakt, daher auch schwer falsifizierbar. HTW könnte man als solchen Knoten sehen, der dich mit vielen Themen verbindet. Ich würde aber nicht sagen, dass das Wissen selber nicht mehr wichtig ist. Eine Grundmenge an Wissen finde ich weiterhin sehr wichtig. Ich würde die Verbindung nicht zu sehr überschätzen. Am Ende geht es dann doch um gute Inhalte - man möchte ja nicht jedesmal den ganzen Graph durchsuchen.
ADDIE ist nochmal eine Wiederholung des vorherigen. Ein solches Wasserfall-Modell ist vielleicht veraltet, ich denke nicht, dass HTW in einem solchen Prozess entstehen konnte, stattdessen ist die Entwicklung iterativer, dynamischer und unvorhersehbarer. Ich bin mein eigner PM und die QA ist bei mir mit der Evaluation eng verbunden. Mein Ziel ist der Aufbau eines positiven Bezugs zu Hacking. Dabei habe ich mich für ein digitales Aufgabenformat entschieden mit Lösungswörtern, gestaffelte Aufgaben, jede einzelne Aufgabe trägt dazu bei, dass die Motivation klar wird. Interaktionen sind auf globaler Ebene recht schlicht (Lösung richtig/falsch), können aber pro Aufgabe noch vertieft werden. Design halt so wie ich es anbieten kann. Joah, ich denke im Motivational Design steckt dann die meiste Arbeit drin.
Meine Zielgruppe sind primär Jugendliche 13 - 18, aber auch Erwachsene, ganze Klassenverbände mit leichter Tendenz zu den eher stärkeren. Kein Vorwissen vorausgesetzt außer bisschen allgemeines Zeug, intrinsiche Motivation ist vom Vorteil, idealerweise entsteht diese im Laufe der Erfahrung, es geht um ein positives Lernerlebnis, vielleicht eher oberflächlich, dafür bunt und konkret. Affinitiät zu Technik ist gerne gesehen, aber keine Pflicht.
Wirklich deklaratives Wissen bringe ich nicht bei, das könnte eine Schwäche sein. Andererseits denke ich mir: du hast Chat und Suche, warum muss ich dir alles erklären. How-to erkläre ich auch nicht wirklich, man lernt halt Sachen. Kontext-Wissen, ja, da bin ich recht stark dabei. Metakognition findet nicht statt. Spannenderweise fand bei HTW nie eine top-down Sachlogik-Analyse statt. Ich sammle Inhalte, aber nicht weil ich von den Inhalten ausgehe, sondern weil ich auf der Suche nach Themen bin, die gute Rätsel ermöglichen. Ich suche sehr speziell nach einem “Schnitt”, der Faszination auslösen kann und etwas zum Glitzern bringt. Also ich beginne eigentlich mit der Aufgabenanalyse, ja, mein Fokus ist sind die Aufgaben.
Meine Lernziele sind jetzt auch kaum operationalisiert. Es geht um positive Erfahrungen. Das Erleben, sich Zuhause zu fühlen. Wobei die Aufgaben natürlich über den vorgesehen Lösungsweg implizit bestimmte Kompetenzen abfragen. Nach Bloom agiere ich auf irgend einer wilden Ebene, ich überspringe häufig die unteren Stufen wie Wissen, Verstehen, Anwenden, es gibt ein paar wenige Aufgaben, die schon mehr didaktisch sind. Ansonsten viel Analyse und auch bei den ganz späteren Aufgaben geht es um Synthese - oder Creating, wenn man eigene Scripte oder so entwickeln muss für die Lösung. Also HTW ist schon anspruchsvoll! Die Aufgaben werden nicht ohne Grund Challenges genannt. Das will ich in Zukunft auch beibehalten.
Bei den Lernzieldomains habe ich keine psychomotorische (warum ist das überhaupt eine Kategorie?), dafür so paar kognitive und einige affektive. Gehen wir sie mal durch. Remembering findet selten statt, Verstehen .. weiß ich nicht, ich erkläre nicht so viel, Anwenden schon eher, wie ASCII, Anaylse denke ich sind die meisten Aufgaben, Bewerten - vielleicht? Und Creating auch schon. Ich weiß nicht, bei HTW hab ich einfach diesen Luxus, auf viele langweilige Sachen zu verzichten und stattdessen direkt zu den coolen Sachen zu springen. Jetzt zu den affektiven Lernzielen. Über die Geschichte und die Rahmenhandlung versuche ich schon, Einblicke zu ermöglichen, das Aufgabenformat erlaubt aber glaube ich keine wirkliche Überprüfung. Vielleicht kann die Umfrage Hinweise geben. OK, ich habe mir was anderes dazu vorgestellt, so wie ich es lese, hat es viel mit Werten zu tun und der Bereitschaft, sich für diese einzusetzen. Psychomotorisch skippe ich.
So, Motivation. Ich denke HTW ist relativ entspannt, es gibt keinen Zeitdruck, die Highscore ist offen für alle, also sollte niemand direkt traumatisieren. Natürlich möchte ich intrinsische Motivation fördern. Ich möchte die Aufgaben lösbar gestalten, damit ich viele positive Impulse setzen kann, was hier zu Optimismus und Selbstvertrauen führt. Das ist also meine positive Schleife. Dafür sind Erfolgsmomente sehr wichtig! Ja, deshalb stecke ich auch so viel Arbeit rein, die Aufgaben ordentlich zu optimieren. Und mit der Auswahl auch immer die Möglichkeit zu geben, sich zu “un-stucken”.
Was ist also dieses ARCS? Aufmerksamkeit als erste Säule, also ansprechende Gestaltung, interessante Themen, Hooks. Die Relevanz kann durch die persönliche Auswahl gesteigert werden, denke ich mal. Über die Zeit lernt man das Format kennen und entwickelt ein Vertrauen und aus der positiven Schleife wenn man Aufgaben löst und neue Inhalte freischaltet, schüttet das nochmal viel Dopamin aus.
HTW bietet Entscheidungsräume, ganz zentral über die Auswahl der Aufgaben. Die Lösung von Aufgaben ist ein sehr direktes und sichtbares Feedback. Die Qualität der Aufgaben verfeinere ich seit vielen Jahren weiter. Die Highscore leistet viel soziale Einbettung, dann natürlich das Klassenzimmer als natürlicher Ort, und Discord noch dazu. Ich hoffe, dass ich zeigen konnte, dass ich mich für die Themen interessiere. Und das Thema Hacking ist hoffentlich interessant für die Zielgruppe.