Ich bin jetzt die meisten Folien durch. Ich möchte ein paar Gedanken teilen. Ein Muster ist mir ziemlich ins Auge gesprungen: Bei vielen Themen wird Bildung so angegangen, dass zuerst über Technik eine gewisse Macht akkumuliert wird, z.B. über Analytics, Sensoren, Daten, VR, etc .. und innerhalb dieser Macht findet dann die pädagogische Intervention statt. Dieses Modell ist aus meiner Sicht ungünstig. Let me explain.
Ich höre jetzt schon öfters an der Uni, dass Studis sich darüber beschweren, dass Tutoren oder Dozenten “da oben” sind und sie nicht verstehen. Ich würde das noch weiter fassen: Es wird immer dann problematisch, wenn man versucht, seinen Lehrauftrag über Macht zu rechtfertigen. Weil mächtige Menschen erstmal unsympathisch sind und dich verängstigen. Du kooperierst eher aus Ergebenheit, nicht unbedingt aus Authentizität.
Der Einstieg in die Lehre klappt besser, wenn man schnell deutlich macht, dass man sehr kompetent ist. Und gleichzeitig in der Lage ist, verletzlich zu sein. Ach, in Worten klingt das jetzt etwas doof und ich würde das auch gerne etwas anders formulieren. “Humbleness” ist vielleicht das bessere Konzept. Sei mutig, gehe Risiken ein. Embrace the cringe. Sei von innen heraus begeistert. Suche nicht nach deiner eignen Macht. Sei aufmerksam. Habe Hoffnung und Optimismus. EGAL WAS, IRGENDWAS, aber bitte gehe nicht mit der Haltung rein, dass du den Raum kontrollierst und Menschen diese Kontrolle toll finden.
Es ist schwer, das auf ein Prinzip zusammenzufassen. Weil es die Vielfalt der Methoden ist, die den Raum lebendig machen, und diese Vielfalt geht flöten, wenn man zu sehr versucht, alles über einen Kamm zu scheren. Und das stört mich an den Folien, dass ich mich persönlich frage: Hm, das macht meinen Unterricht nicht unbedingt besser. Es ist zu wenig nuanciert und die Nuancen werden dadurch sogar eher zerdrückt als erhalten.
Der andere Prof hat ne bessere Philosophie: Es gibt SchülerInnen, die lernen von selber und wir können sie nicht davon aufhalten, zu lernen. Beobachte, was diese Leute machen und versuche, auch den anderen SchülerInnen dieses Erlebnis zu ermöglichen. AH, mir fällt auf, wie flexibel dieser Ansatz ist. Das kann ich auch für mein Tutorium bestätigen: Die Studis ERLEBEN sich selber am besten. Sie wissen daher auch am besten, wie sich das Lernen für sie anfühlt. Dieses Wissen möchte ich aufgreifen und verstärken.
Diese Perspektive fehlt denke ich komplett, nicht? Wird an irgendeiner Stelle auch nur ansatzweise empathisch gehandelt? Es geht immer um steuern, kontrollieren, Wirkung, Impact - doch die empathische Verbindung fehlt.
Das ist schade, denn mit der empathischen Verbindungen kann der Raum viel mehr zum Leuchten gebracht werden - auch in Kleinem, auch ohne Macht, ganz selbstständig.