Manchmal ist es nicht immer möglich, ehrlich zu sein. Ich denke an queere Menschen (wie mich), wo eine bewusste Abgrenzung manchmal notwendig ist, um das Leben handhabbar zu halten, aka sich nicht zu outen.
Was mir jetzt erst so klar wird ist, wie viel Schmerz eine solche zwangsweise Unehrlichkeit verursachen kann. Es ist auch interessant zu untersuchen, wie viele psychische Herausforderungen sich mit Unehrlichkeit verbinden.
Meine Beobachtung ist, dass Lügen teuer sind, wenn man die langfristigen Folgen mit einrechnet. Die Wahrheit zu verändern fordert ja oft, dass man die Realität kennt, und oft unterschätzt man, wie kompliziert die Welt ist und welche überraschenden Interaktionen es gibt.
Eine andere Dimension ist die Zusammenarbeit mit anderen Menschen, das ist vielleicht der größte Aspekt. Für ein gutes Teamwork braucht es Vertrauen - und das entsteht nicht, wenn die Vermutung im Raum ist, dass die andere Person bereit ist, nicht die Wahrheit zu sagen.
Glücklicherweise ist es grundsätzlich so, dass Menschen eigentlich ehrlich sein wollen. Nicht alle Menschen, es gibt paar Ausnahmen, aber so grundsätzlich, kann man schon sagen, wollen die meisten Menschen ehrlich sein. Ich merke es bei mir, dass es unglaublich viel Energie kosten, wenn ich vermute, dass die andere Person unehrlich sein könnte.
Eine Interaktion, die mich noch überrascht: Wenn Menschen in Autoritätspositionen unehrlich sind, aber dabei deinen Selbstwert erhöhen, dann fühlt sich das RICHTIG gut an für den Moment. Wir haben glaube ich alle dieses innere Bedürfnis, anderen Menschen zu gefallen, und hier wird es wie eine Droge erfüllt.
Wie jede Droge gibt es hier Nebenwirkungen, die man später dann spüren wird. Erstmal, manchmal, wenn man sich nach außen präsentieren muss, fühle ich mich gezwungen, mich bisschen größer darzustellen, als ich bin. Und da wird wieder mein Schutzmechanismus aktiv und ich fühle mich schlecht. Heute weiß ich, dass dieser Schmerz eine Nebenwirkung der Unehrlichkeit ist.
Weil das Aufrechterhalten einer Lüge teuer ist. Wenn man einmal gelogen hat, ist es sehr peinlich, dass dann zuzugeben. Aber man muss auch für sich die andere Version der Realität bespielen, und wenn diese nicht wirklich mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmt, dann fühlt man sich wie von einer Decke erstickt.
Ich bin mittlerweile besser geworden, diese Dynamik zu erkennen und kann schneller auf diese Dynamik reagieren und die Ursache schneller identifizieren - auch wenn es manchmal peinlich, manchmal cringe ist, die Wahrheit auszusprechen. Und manchmal sogar wiederum teuer. Weil es auch teuer für mich ist, wenn andere Personen unehrlich sind. Das ist eine nervige Sache, keine Ahnung, wie das passiert, aber definitiv nervig.
Um an die Einleitung anzuschließen: wenn es dann nicht möglich ist, 100% ehrlich zu sein, braucht es daher wohl ein Management, mit klaren Grenzen, sicheren Orten, einer Kostenabschätzung. Es braucht manchmal Korrekturen, peinliche Situationen. Yeah, sehr cooles Zeug - nicht.
Yeah, meine Gedanken sind wirklich nicht sortiert. Egal, ist ein kompliziertes Thema und ich weiß auch noch nicht, was ich eigentlich sagen will.