Die Phasen eines Papers sind also: zuerst komplett machen, dann gut machen, und danach großartig machen. Das erste Ziel habe ich erreicht, das Paper ist komplett, die 10 Seiten, alle Formalitäten erfüllt, Text ist lesbar, so halbwegs alles ist in einer okishen Form da. Gut ist es noch nicht.
Diese neue Arbeitsphase fühlt sich etwas seltsam an, weil es plötzlich weniger um das Schreiben geht, sondern mehr auf “Authoring”, welche Aspekte ich betonen möchte, welche Schlussfolgerungen ich eher offen lasse, wo ich den Schwerpunkt setze. Ich habe mir paar Gedanken dazu gemacht.
Ich denke, meine Challenge-Design-Practice bildet den zentralen Angelpunkt. Das Paper soll den Kontext erklären, in dem ich Challenges designe und an welchen Problemen ich gerade arbeite. Das Paper begleitet mich in der “Action”, bei der ich diese Practice ändere. Ich zeige auf, wie ich sowas plane, umsetze, evaluiere, reflektiere, wie sich die Plattform weiterentwickelt und welche neuen Wege ich sehe.
Das ist schon ein ziemlicher Batzen. Ich habe noch immer keine so klare Grenze zwischen Themen, die ich anreißen möchte, und Themen, die ich ausschließe. Das müsste ich in einem weiteren Proof-Read Durchlauf feststellen. Vielleicht mit einer Probe wie “lenkt das vom roten Faden ab, oder hilft es den Faden zu verstehen”. Und dieser Faden, soll sich um die Design-Praxis drehen? Ja schon, weil das ist ja das interessante, wie ich sie verändere, wie ich auf die Veränderung reagiere. Dazu ist es natürlich gut zu verstehen, auf welchen Werten ich das aufbaue, daher der ganze theoretische Hintergrund. Und meine Praxis ist schon besonders: es ist ne Mischung aus Kunst, Kreativität, Freiheit, inspiriert von Hacking, und auf der anderenseite einer starken Empathie für Novice Hackers. Diese Empathie könnte ich noch mehr in den Vordergrund stellen, right? Es geht mir eigentlich nicht darum, Lernerfolge zu erzielen! Es geht mir darum, dass die Menschen eine gute Zeit bei mir verbringen, und destructive frustration hat wirklich das Potential, das Erlebnis wirklich gravierend zu zerstören. Das ist der Scope der Research Site, diesen Scope muss ich nicht rechtfertigen, der ist gesetzt.
Ich meine, man kann Goodhart’s Law ziemlich gut umgehen, wenn man eine breite Palette an Werten hat, gegen die man das Projekt reflektiert. Der empathische Wert (es soll nicht frustrieren), der dann doch pädagogische Wert (es soll nicht zu einfach sein), der kreative Wert (die Plattform soll auch dem persönlichen Ausdruck dienen). Allein diese drei Werte, bilden doch eine starke Konstellation, die sich nicht mehr so einfach rein optimieren lässt. Schwer zu messen, ja, und für “lokale” Probleme können gezielte Metriken eingesetzt werden. Ich meine, es gibt auch den praktischen Wert (Menschen finden das Projekt, es ist nutzbar, findet die Zielgruppe). Im Rahmen dieser Werte agiere ich in der Praxis und entwickle die Plattform, right? Gefällt mir, hm. Hab es noch gar nicht von der Perspektive gesehen.
Auch hier muss ich mal schauen, wie explizit ich das machen kann, und was “dann halt ausbleiben muss”. Ich möchte aber unbedingt das Gefühl vermitteln: das Paper beschreibt ein lebendiges System, einen dynamischen Ort, der sich entwickelt, Ideen aufsammelt, Perspektiven eröffnet. Es ist ein Report, kein Betteln um Anerkennung. Es ist ein gutes Zeichen, wenn es mir egal ist eigentlich, ob das Paper akzeptiert wird. Das ist schon paradox, nicht? Das ausgerechnet in einem solchen Fall ich die Wahrscheinlichkeit für die Annahme erhöhe.