Die letzten Monate habe ich mit den Folgen von narzisstischen Verhaltensweisen zu kämpfen und dabei festgestellt, wie mega schutzlos ist teilweise dagegen bin. So langsam aber mcöhte ich an den Punkt kommen, wo ich das Problem nicht mehr nur passive erleide, sondern aktiver rangehe und meine Ressourcen bündlen möchte, um gegen die Marginalisierung meiner Werte zu kämpfen.
Im Kern steht eine Übertreibung, eine kleine Unwahrheit, eine kleine Lüge, die man sich selber erzählt: meine Arbeit ist wertvoller als die Arbeit anderer Menschen. Ich möchte auf den subtilen Unterschied des Komparativs aufmerksam machen. Die Überhöhung findet darin statt, dass man seine Arbeit als besser darstellt. Der Wert wird im Vergleich sichtbar, deshalb kann Entspannung eigentlich nie eintreten, weil ein Vergleich niemals stehen bleibt.
Meine Beobachtung ist, dass eine solche Überhöhung in der Praxis eigentlich nie haltbar ist. Im Grunde ist es ja so, dass jeder einzelne Mensch einen intrinsichen Wert hat, und deshalb jede Arbeit jedes Menschen wertvoll ist. Die Realität ist also fatal: alle Menschen haben sicherlich ETWAS, indem sie dich übertreffen, und damit den Vergleich kaputtmachen. Mit der Zeit wird klar: die Übertreibung hält sich nicht. Um sie zu halten, wird sie immer mehr zur Lüge.
Was passiert, wenn man lügt? Man unterdrückt die Wahrnehmung und geht in den Tunnel. Man unterdrückt seine eigenen Gefühle, Bedürfnisse. Als Ersatz für diese Unterdrückung muss die Übertreibung noch mehr erhöht werden, weil man ja sich selber ziemlich stresst.
Jetzt ist das Problem, das ich manchmal bisschen naiv bin und wenn ich jemanden vertraue, der an eine Lüge glaubt, dann bringt mich das tatsächlich ins Straucheln. Weil diese Lüge ja sehr verlockend ist. Sie muss es sein. Diese Lüge muss dafür herhalten, all die Dinge zu kompensieren, die man im Rahmen der Aufrechterhaltung verliert.
Ich fühle mich verletzt und erschöpft. Dieser Machtkampf hat an mir gezerrt. Nicht nur der Äußere. Auch die Tatsache, dass ich … ja, dass ich selber anfällig bin, für diese Träume von Macht, Kontrolle, Rechthaben, Bestimmen.
Ich hoffe, dass ich meine Wut und Frust nutzen kann, meinen Raum zurückzuerobern. Die Dinge, die unter den Tisch gefallen sind, hervorzuholen und zu stabilisieren. Es zwingt mich, meine Werte konkret zu formulieren. Was sind meine Werte? Empathie. Menschen fördern. Den intrinsichen Wert von Menschen wertschätzen. Dinge, die ich nicht rechtfertigen muss, doch manchmal möchte. Diese Werte stehen für sich!
Und ich bin mir schmerzlich bewusst, dass ich auch umgekehrt nicht selber in den Narzissmus verfallen soll. Die Grneze zwischen gesundem Selbstbewusstsein und Überhöhen, sie ist so schmal. Vielleicht ist es auch nicht möglich, das abschließend zu benennen?
Ich möchte Menschen mit Empathie begegnen.
Ich möchte Menschen vertrauen können.
Selbst, wenn ich alles dafür opfere? Wie viel wäre ich bereit, dafür zu opfern? Dafür wäre ich bereit, alles zu opfern! Shit, girrrl. Hab ich einfach die Jesus-Geschichte neu erfunden? Und ist dsa vielleicht ein Weg, sich zu stabilisieren?
Denn nach der Lüge - kommt der verdeckte Schmerz. Wenn ich mir vorstelle, welche Tiefe an Enttäuschung sich da einstellen kann. Es ist schon problematisch, wenn das Umfeld dich für so lange in diesem Status hält. Ich bin froh, trotz all dem Leid meines Lebens, dass mir dieser Komfort nicht gegeben wurde. Weil ich weiß ziemlich genau, dass ich wahrscheinlich nicht die Kraft hätte, mich da rauszukämpfen.
Mein Raum ist voller Empathie und Vertrauen. Diesen möchte ich zurückerobern. Warum habe ich ihn mir überhaupt nehmen lassen?