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Vertrauen verloren

Die letzten Tage habe ich etwas besorgniserregendes bemerkt: beim Schauen von Youtube-Videos, oder lesen von Blog-Posts, schleicht sich dieser Gedanke rein, ob ich denn hier was generiertes konsumiere (wobei häufig die Tatsache der Generierung nicht mal verschwiegen wird) oder ein echter Mensch auf der anderen Seite ist - und dann! Denke ich mir, was für eine Scheiße, sich darüber Gedanken zu machen. Und dann höre ich nach 5 Minuten auf zu lesen oder zu schauen, fühle mich leer, aber auch irgendwie befreit.

Ich habe das Vertrauen ins Internet verloren.

It was good while it lasted. Vielleicht war es auch schon immer eine Illusion, ein Spiegel unseres Wunschs, ein Gegenüber zu finden. Vielleicht hat es uns alle deshalb so süchtig gemacht, weil wir das Gefühl hatten, endlich andere Menschen zu finden, die ähnlich wie uns ticken, und diese vielleicht sogar tatsächlich zu finden.

Doch nun weiß ich nicht mehr, ob diese Menschen echt sind. Es ist das BESCHEUERSTE GEFÜHL auf der Erde, emotionale Energie in ein Produkt zu investieren, wo nicht von Anfang an klar war, ob es KI generiert ist. Ich fühle mich sogar Tage danach schlecht, es ist ein solch negatives Gefühl. Und gleichzeitig löst das meine Sucht sehr effektiv auf. Will ich wirklich das wieder erleben? Der Deal davor war ja ganz ok: verschwende ein wenig Zeit mit dem Trash, den andere Menschen erstellt haben. Heute verbringt man Zeit mit tatsächlich wertlosem Slop, weil ich mir das Zeug auch selber hätte generieren können. Es wird plötzlich klar, dass ich letztlich alleine vor einem Bildschirm sitze und Zuhause bin.

Meine Wahrnehmung der Welt ist extrem darauf ausgerichtet, zwischenmenschliche Interaktionen in einer hohen Auflösung mental zu speichern, sie in mich aufzusaugen und dann langsam zu verarbeiten, Stück für Stück. Slop hat da keinen Platz - oder nur ganz eingegrenzt, aus der Reflektion heraus. Meine Wahrnehmung setzt voraus, dass es keinen Zweifel gibt der Echtheit des Menschen, damit ich mich empathisch einfühlen kann.

Die offensichtliche Lösung ist es, persönliche Begegnungen mit Menschen in meinem Umfeld mehr wertzuschätzen. Das mache ich schon - und ich spüre irgendwie die gleiche Energie auch beim Gegenüber. Das ist wirklich schön, fast eine Renaissance analoger menschlicher Begegnungen. Ich denke, es ist schlichtweg eine Korrektur des Stellenwerts des Internets für soziale Interaktionen - lange Zeit angefeuert von überhöhter Vorstellung, jetzt zurück auf das eigentliche Niveau. Ich meine, ist es nicht obvious, dass das Internet nicht dabei hilft, deine Einsamkeit zu lindern? Ist es nicht absolut obvious, dass der beste Weg gegen die Einsamkeit darin besteht, sich echte Menschen in der echten Welt zu suchen? Und ja, es ist - anstrengender - risikoreicher - abenteuerlich - kräftezerrend - und wunderschön, wenn endlich etwas funktioniert.

Das Internet ist weiterhin für alle Tätigkeiten gut, wo kein hohes Vertrauen notwendig ist: Fun Facts nachschlagen, Ansätze für Lösungen finden zu technischen Problemen, sich ragebaiten lassen, Nachrichten lesen.

Mit meinen Projekten stehe ich da wirklich an einem blöden Punkt. Ich habe die Plattformen unter der Annahme gebaut, dass das Internet ein vertrauenswürdiger Ort ist. Das ist nicht mehr gegeben. Ich wäre nicht mehr authentisch, wenn ich diese Entwicklung nicht auch irgendwie in in meinen Projekten reflektiere. Ich weiß noch nicht, wie genau.