Aktuell plane ich die nächste Iteration von Robot Karol Online und werde im Rahmen einer Erstsemester Vorlesung Menschen in die Programmierung einführen. Noch ist die heiße Phase nicht gestartet, noch habe ich ein wenig Zeit, meine Gedanken zu sammeln und zu sortieren. Und wie immer, wenn ich mich mit grundsätzlichen Fragen beschäftige, steht im Zentrum die Frage nach dem Warum.
Warum sollte mich Informatik jucken?
Mein Ziel in all den Anstrengungen ist, dass es die Menschen danach juckt. Durch die Entwicklung von AI, aber auch generell wie sich das Feld dynamisch ändert, sind fachliche Lernziele viel zu schnell veraltet und sind wahrscheinlich angreifbar. Ich bin bisschen neidisch auf HTW, dieses Projekt hat jetzt mit der starken Storyline und einem wirklich tragfähigen Konzept dahinter eine große Reife erreicht, die ich bei Robot Karol zum Beispiel noch nicht spüre.
Dinge bauen.
Das ist eine Perspektive, die Hacking von Programmieren unterscheidet. Wenn du wirklich etwas großes bauen willst, dann musst du deine Hände dreckig machen, dich auch mit kleinen Details rumschlagen. Der Erfolg der Fußballfeld-Aufgabe zeigt ja, dass dieses Thema gut ankommt: Menschen wollen bauen.
Gleichzeitig wollen wir DidaktikerInnen ja eigentlich noch mehr. Über das Bauen hinaus wollen wir auch Konzepte vermitteln. Hier ist dsa Problem, dass die reine Vermittlung leider recht trocken ist. Die Frage ist doch dann immer noch: warum? Warum ausgerechnet diese Konzepte? Was helfen mir diese Konzepte, Dinge besser zu bauen?
Boah, eigentlich ist auch der Python-Lernpfad keine schlechte Basis, dort habe ich eeeeeeeeeecht viel Philosophie reingesteckt. Eigentlich müsste ich mich viel mehr an den Ideen dort orientieren. Es ist diese Entwicklung von Selbstzweifel, ich kann nichts, hin zu: schau mal, ich kann etwas! Ich kann etwas bauen!!!
Im Gegensatz zu: schau wie clever ich bin. Das ist ein Problem, z.B. mit Aufgaben, die zu sehr algorithmisch orientiert sind. Diese haben eine hohe kognitive Barriere, an diesen Stellen fühlen sich Menschen ausgegrenzt, an diesen Stellen sagen wir indirekt: schau, das kannst du nicht. Und fatal wird es, wenn die Lernenden dann für sich feststellen: und es juckt mich auch nicht, scheiß drauf. Das ist absolut zu vermeiden.
Irgendwie dreht sich so vieles um das Thema Selbstbewusstsein. Ist Programmieren nicht ein solides Tool, um Selbstbewusstsein aufzubauen? Es ist stärker als zum Beispiel Hacking. Was Hacking bietet ist ein Sicherheitsgefühl, das Gefühl zu haben, sich wehren zu können, das Gefühl zu haben, hinter die Kulissen schauen zu können. Mit Programmieren wird man dann gezwungen, sich auch mit seinen Schwächen (?) auseinanderzusetzen und Herausforderungen zu überwinden, die häufig NICHT mit Cleverness gelöst werden müssen, sondern wo … Durchhaltevermögen, Kreativität, Vertrauen weiter führen.
Und wenn man sich mit diesen Elementen länger beschäftigt, dann … kommt man vielleicht auf einen guten Weg? Es ist schwer. Erfolg ist nicht garantiert. Es gibt auch keine nennenswerten Abkürzungen. Das muss man auch klar sagen. Der Software-Markt ist schon ziemlich saturiert. Sich darin zu positionieren, ist finde ich mega hart. Nichtsdestotrotz habe ich es geschafft, schon zwei Mal sogar. Also das ist auch eine Wahrheit. Irgendwo muss ich auch zugeben, dass andere Menschen … in der Lage sein könnten, mich zu übertreffen.
Heißt es also, damit dich Informatik juckt, muss dich erstmal was anderes jucken? Informatik, mehr als Werkzeug, weniger als Selbstzweck. Weil klar, ich kann hier meine Cleverness unter Beweis stellen, aber so geil ist das nicht. Vielleicht möchte ich eher … anderen Menschen wirklich was anbieten?
Boaaaaaah. Das kann ich natürlich leichter sagen, aus dem Survivors Bias, mit den existierenden Projekten. Vielleicht kann ich da auch ein anderes persönliches Learning mitnehmen, und zwar, dass bei all dem Bauen man seine Angst nicht unterdrücken darf. Es besteht die reale Gefahr - und dieses Risiko macht doch auch den Reiz aus - dass das Stück Software einfach scheiße ist und niemanden juckt. Oder dass aus externen Gründen gerade kein Bedarf besteht, kurz: ein Widerspruch auftritt zwischen wahrgenommener Wertschätzung und dem intrinsischen Wert.
Mit Liebe gebaute Software hat einen intrinsischen Wert.
Das ist doch mal eine Aussage (angelehnt an den intrinsischen Wert von Geschichten). Und mit bisschen Glück können andere diesen Wert auch gut erkennen. Hm. Vielleicht komme ich erstmal nicht weiter, aber das ist schonmal ein Gedankenanstoß.